Unter Vandalismus versteht man allgemein eine „blinde Zerstörungswut“.  Schäden durch unsachgemäßen Gebrauch oder mutwillige Beschädigung beeinträchtigen sowohl die Verfügbarkeit von Aufzügen als auch die Sicherheit der Passagiere.

Von der Außenwelt abgeschirmt und zu bestimmten Zeiten meist wenig genutzt, sind öffentliche Personenaufzüge der ideale Tatort für Vandalismus und Sachbeschädigung: Es schaut niemand zu, man ist für einen bestimmten Zeitraum unbeobachtet und hat die Kabine ganz für sich allein. Defekte Bedienelemente oder Innenausstattungen in der Kabine sollten umgehend wieder in Stand gesetzt werden. Einerseits gewährt dies den sicheren Betrieb der Anlage, andererseits laden bereits beschädigte Aufzugskabinen geradezu ein, eigene Markierungen zu hinterlassen. Oftmals ist dann eine komplette Überholung der Innenausstattung notwendig.

Beispiele von häufig vorkommenden Auswirkungen des Vandalismus:

• Verschmutzung im Fahrkorb (Abfallbeseitigung, Hundekot, Urin …)
• Graffiti im Fahrkorb oder an den Zugängen
• Verkratzen bis Zerstören der Oberflächen im Fahrkorb und an den Türen
• Zerstörung und Diebstahl von Beleuchtung und Leuchtmittel
• Beschädigung und Entfernen von Beschilderungen
• Beschädigung von Bedien- und Anzeigeelementen durch Krafteinwirkung
• Beschädigung von Bedien- und Anzeigeelementen durch Hitzeeinwirkung
• Diebstahl von Handläufen, Aschenbechern
• Notrufmissbrauch

Präventive Maßnahmen:
• Transparenz der Kabine / Verbundsicherheitsglas mit allseitig gefasster Rahmung
• Werkstoffe im Fahrkorb und den Zugängen aus hochwertigem, nichtrostendem Stahl mit glatten und geschlossenen Oberflächen (z.B. Leinen, Karo, Leder …)
• Konstruktion der Beleuchtung, die ein Entfernen des Leuchtmittels vom Fahrkorb verhindert
• Bruchsicherer Spiegel, damit der Vandale mit sich beschäftigt ist
• Videoüberwachung mit versteckter Kamera und deutlichem Hinweisschild
• Befehlsgeber aus nichtbrennbaren Materialien, flächenbündig und schlagfest
• Kurze Fahr- und Wartezeiten
• Türsysteme mit deutlich höherer Festigkeit

EN81-71 (Schutzmaßnahmen gegen mutwillige Zerstörung) kann bei allen Aufzügen angewandt werden, die in Gebäuden installiert werden, in denen Vandalismus ein bekanntes Problem ist oder wo ein Risiko für Vandalismus besteht.

Zu berücksichtigen sind:

• Art des Gebäudes, in dem der Aufzug installiert wird. In bestimmten Gebäuden (wie etwa in Bahnhöfen, Sportstadien usw.) tritt Vandalismus erwiesenermaßen häufiger auf.
• Vorfälle von Vandalismus in der Umgebung.
• Wartezeit auf die bzw. Fahrzeit in der Fahrkabine. Die Frustration der Benutzer scheint eine Hauptursache für Vandalismus zu sein.
• Zugänglichkeit des Gebäudes. Zugangskontrollen verhindern, dass unberechtigte Personen (die mit höherer Wahrscheinlichkeit für Vandalismus verantwortlich sind) den Aufzug benutzen.
• Art der Benutzer. Unbeobachtete Benutzer neigen eher zu Vandalismus als solche, die von anderen Personen beobachtet werden können.

Im Zuge der Planung des Aufzuges ist auch der Vandlismusschutz zu berücksichtigen.

Beispiele für Gebäude:

Aufzugskategorie 0: Wohngebäude mit wenigen Einheiten, die vorzugsweise von Eigentümern bewohnt werden; Büro-und Verwaltungsgebäude in unkritischen Gegenden oder mit beschränktem Zugang; normale Hotels; Einkaufszentren mit verglasten Aufzügen.

Aufzugskategorie 1: Wohngebäude mit vielen Einheiten, die vorwiegend vermietet sind und in normalen Gegenden stehen; Büro-und Verwaltungsgebäude mit viel Publikumsverkehr und ohne Beobachtung des Aufzugs; einfache Hotels in kritischen Gegenden; verglaste Aufzüge in Bahnhöfen und an Bahnsteigen in unkritischen Gegenden; unbeobachtete Aufzüge in Kaufzentren in unkritischen Gegenden.

Aufzugskategorie 2: Wohngebäude mit vielen Einheiten; die vorwiegend vermietet sind und in sozial kritischen Gegenden stehen; alle öffentlich zugänglichen Gebäude in sozial kritischen Gegenden ohne Beobachtung; Gebäude für Massenveranstaltungen (Fußballstadien, Konzerthallen etc.)

EN81-71 nennt drei Kategorien für Vandalismus-Sicherheit und die entsprechenden Testanforderungen für die jeweilige Kategorie. Bezüglich der Materialien sind alle Kategorien so definiert, dass Aufzugsteile auch nach dem Auftreten von Vandalismus noch funktionieren und sicher sein müssen.

Kategorie 0 – Um ‘Kat 0’ zu entsprechen, müssen die Befestigungen den Anforderungen der EN81-20 entsprechen.

Kategorie 1 – Zusätzlich zu den Anforderungen von Kat 0 müssen alle Befestigungen mit manipulationssicheren Befestigungen gesichert werden. Die Befestigungen müssen am schwächsten Punkt (definiert vom Hersteller) drei Stößen mit einem 1 kg schweren Schlagkörper aus einer Höhe von 0,2 m standhalten. Außerdem müssen die Befestigungen 60 Sekunden einer Flammeneinwirkung standhalten und zwar an jener Stelle, die am wahrscheinlichsten davon betroffen sein dürfte.

Kategorie 2 – Zusätzlich zu den Anforderungen von Kat 0 müssen alle Befestigungen mit zusätzlichen Befestigungen gesichert werden, die für Aufzugsbenutzer nicht sichtbar sind. Die Befestigungen müssen am schwächsten Punkt (definiert vom Hersteller) drei Stößen mit einem 1 kg schweren Schlagkörper aus einer Höhe von 1,0 m standhalten. Außerdem müssen die Befestigungen 120 Sekunden einer Flammeneinwirkung standhalten und zwar an jener Stelle, die am wahrscheinlichsten davon betroffen sein dürfte.