SNEL – Safety Norm for Existing Lifts ( Evaluierung gemäß Önorm EN81-80)

Zur Verbesserung der Sicherheit an bestehenden Personen- und Lastenaufzügen wurde die Norm EN81-80 erarbeitet. In dieser sind die signifikante Gefährdungen aufgelistet, welche ältere Aufzüge gegenüber neuen Aufzügen aufweisen können. Jeder Gefährdung sind Massnahmen nach dem Stand der Technik für neue Personen- und Lastenaufzüge zugeordnet. Die ÖNorm B2454-1/2 sind die Ergänzungen zur Umsetzung, jedoch bezieht sich diese noch auf die EN81-1. Zu beachten ist, dass der Stand der Technik die EN81-20 darstellt. Die Evaluierungsnorm EN81-80 mit deren Bezug auf die EN81-20 wurde veröffentlich, die EN81-80:2003 wird mit 31.08.2021 zurückgezogen. Die Behebung der festgestellten Risiken sollte daher bereits nach der EN81-20 erfolgen.

Die Schutzeinrichtung gegen Übergeschwindigkeit (auch als „Fall nach oben“ bezeichnet) und die Schutzeinrichtung gegen eine unbeabsichtigte Fahrkorbbewegung (auch als UCM – unintended car movement bezeichnet), sind die bedeutendsten sicherheitstechnischen Anforderungen, die in den vergangenen Jahren in das Regelwerk für Aufzüge aufgenommen wurden.

Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV in Deutschland gibt vor, dass die notwendigen Maßnahmen für das sichere Verwenden von Aufzügen zu ermitteln sind. Die zusätzlichen Maßnahmen müssen dem Stand der Technik entsprechen. Weiters ist die „Technische Regel für Betriebssicherheit der TRBS 3121“ für den Betrieb von Aufzügen zu beachten. Notrufsysteme sind bis 31.12.2020 nachzurüsten.

Im Rahmen einer Modernisierung ist immer zu prüfen, welche Maßnahmen realisiert werden müssen.

Überprüfung und Beurteilung von Aufzugsanlagen auf Einhaltung des Standes der Technik mit festgelegten Schutzmaßnahmen auf Grundlage der EN 81-80:2003 sowie DIN EN 81-20:2014

Schutz gegen unbeabsichtigte Bewegung des Fahrkorbes (UCM – unintended car movement)

Ein wesentliches Risiko an Aufzügen, die vor dem Jahre 2012 in Betrieb genommen wurden, ist das sogenannte „unintended car movement“ (UCM). Es sind lebensgefährliche Verletzungen von Aufzugnutzern beim Betreten bzw. Verlassen der Aufzugkabine durch plötzliches Losfahren der Kabine mit geöffneten Türen erfolgt.

Analysen an Aufzügen haben ergeben, dass ein Defekt zentraler Bauteile – elektrischer und/oder mechanischer Natur – dazu führen kann, dass sich die Kabine plötzlich und unerwartet bei geöffneten Türen aus der Haltestelle bewegt. Dieser Fall ist weltweit an Anlagen unterschiedlicher Hersteller aufgetreten und hat zu schweren Unfällen geführt. Daher wurde der Stand der Technik von gesetzlicher Seite angepasst und für alle neuen Aufzüge ein UCM-Sicherheitssystem verpflichtend eingeführt. Die UCM-Sicherheitseinheit muss eine unbeabsichtigte Bewegung des Fahrkorbs mit offenen Türen aus der Etage erkennen, den Fahrkorb innerhalb der vorgebenen Zone anhalten und ihn in der gestoppten Position halten. Die UCM-Sicherheitseinheit wird sowohl bei Seil- als auch bei Hydraulikaufzügen eingesetzt.

Ein großer Diskussionspunkt ist bei bestehenden Aufzügen die Nachrüstung eines UCM-Sicherheitssystems, dies ist mit dem Sachverständigen zu klären. Der UCM-Fall wird in der EN81-20 Pkt.5.6.7 behandelt. ucm

In Österreich wird zwischen CE-gekennzeichneten Aufzügen und nicht gekennzeichneten Aufzügen ( Aufzüge < 1999) unterschieden. Die CE-gekennzeichneten Aufzuge unter liegen bei der Modernisierung der ASV2015. Da es kein Regelwerk für den Umbau gibt, hat die Stadt Wien einen Leitfaden für den Umbau von Aufzügen erstellt.

Verantwortlichkeiten:

Die Betreiberin oder der Betreiber des Aufzuges ist für die fristgerechte Durchführung der umfassenden sicherheitstechnischen Überprüfung (Evaluierung) sowie für die fristgerechte Umsetzung der vorgeschriebenen erforderlichen Maßnahmen verantwortlich.  Die Aufzugsprüferin oder der Aufzugsprüfer überwacht die Einhaltung der Fristen und Maßnahmen.

Betreiberpflicht: Unabhängig von den Fristen wird angemerkt, dass im Rahmen der Sorgfaltsverpflichtung generell gilt, dass nur Anlagen zu betreiben sind, welche auch entsprechend sicher sind. Im Falle eines Unfalles besteht eine Haftung. Die Haftung orientiert sich in der Regel am „aktuellen Stand der Technik“. Diese rechtliche Konsequenzen kommen nach Unfällen zu tragen und verpflichten den Betreiber zum Schadensersatz.

Umbau / Modernisierung von bestehenden Aufzugsanlagen:
Als Umbau oder Modernisierung gilt, wenn bei der Modifikation eines Aufzugs bestehende Bauteile oder Komponenten belassen werden. Der Austausch von baugleichen Teilen im Rahmen von Unterhalts- und Instandsetzungsarbeiten gilt nicht als Umbau oder Modernisierung (länderspezifische Unterschiede beachten).
Mittels angemessener Methode sind die Änderungen festzustellen und daraus resultierende Gefahren zu ermitteln. Das Vorliegen neuer Risiken oder bestimmter Änderungen kann dazu führen, dass es sich beim Umbau oder der Modernisierung um eine wesentliche Änderung handelt.

Wesentliche Änderung
Eine wesentliche Änderung liegt vor, sobald die vorgenommene Änderung für die Funktionund Sicherheit des Aufzuges von Bedeutung ist. Als wesentliche Änderungen an einem bestehenden Aufzug gelten insbesondere:
– Erhöhung der Nenngeschwindigkeit
– Erhöhung der zu bewegenden Massen (Summe von Kabine, Traglast, Gegengewicht, etc.)
– Änderung der Förderhöhe oder Zugänge
– Änderung der Schutzräume im Schachtkopf / grube

Liste der signifikanten Gefährdungen EN81-80:2019

Nr.Gefährdung/GefährdungssituationNr. in
EN 81-80:2003
1Allgemeines
11Fehlende oder eingeschränkte Zugänglichkeit für Personen mit eingeschränkter Mobilität2
12Fehlender oder unzulänglicher Widerstand gegen mutwillige Zerstörungen4
13Unzureichender FeuerwehraufzugNicht abgedeckt
14Fehlende oder unzulängliche Reaktion des Aufzugs im Brandfall5
15Fehlende oder unzulängliche ErdbebensicherheitNicht abgedeckt
16Vorhandensein schädlicher Stoffe1
2Schacht
21Unzulängliche Schließeinrichtungen an Zugangs-, Notfall- und Inspektionstüren zum Schacht und zur Schachtgrube8
22Kein Anhalten des Fahrkorbs bei geöffneter Zugangs-, Notfall- und Inspektionstür zum Schacht oder zur Schachtgrube8
23Durchbrochene Schachtumwehrung6
24Durchbrochene Schachtumwehrung nahe Türverriegelungen33
25Teilumwehrter Schacht mit zu niedriger Umwehrung7
26Unzulängliche senkrechte Fläche unterhalb der Schachttürschwelle9
27Betretbare Räume unterhalb des Schachts bei fehlender Fangvorrichtung am Gegengewicht/Ausgleichsgewicht10
28Fehlendes oder unzulängliches Gitter des Gegengewichts/Ausgleichsgewichts in der Schachtgrube11
29Fehlende oder unzulängliche Abtrennung in der Schachtgrube bei Aufzügen im selben Schacht12
210Fehlende oder unzulängliche Abtrennung von beweglichen Teilen von Aufzügen bei gemeinsam genutztem Schacht13
211Unzulängliche Schutzräume und Freiräume im Schachtkopf14
212Unzulängliche Schutzräume und Freiräume in der Schachtgrube14
213Fehlende oder unzulängliche Mittel für den Zugang zur Schachtgrube15
214Fehlende oder unzulängliche Schachtbeleuchtung17
215Fehlende oder unzulängliche Bremseinrichtung in der Schachtgrube16
216Fehlende Notrufauslöseeinrichtungen in der Schachtgrube und auf dem Fahrkorbdach18
217Übermäßiger horizontaler Abstand zwischen der inneren Wand des Schachts und der Türschwelle, dem Türrahmen des Fahrkorbs oder der Schließkante von Fahrkorb-Schiebetüren58
218Übermäßiger horizontaler Abstand zwischen Fahrkorb und Schachttür59
219Übermäßiger Abstand zwischen den Führungskanten des Fahrkorbs und den SchachttürenNicht abgedeckt
3Betriebsräume und Rollenräume
31Fehlende oder unsichere Zugänge zu den Aufstellungsorten von Triebwerks- oder Rollenraum19
32Unzureichende Beleuchtung in den Betriebsräumen und Rollenräumen23
33Fehlende oder unzulängliche Bremseinrichtung(en) im Rollenraum16
34Unzureichende Aufhängepunkte für die Handhabung von Einrichtungen in den Betriebsräumen und oben im Schacht24
35Rutschiger Boden in Aufstellungsorten von Triebwerks- oder Rollenraum20
36Unzulängliche horizontale und vertikale Freiräume in den Betriebsräumen21
37Fehlender oder unzulänglicher Schutz bei unterschiedlichen Ebenen und Vertiefungen im Triebwerksraum22
38Keine oder unzulängliche Kommunikationseinrichtung zwischen Fahrkorb und dem Ort des Notbetriebs72
4Schachttüren und Fahrkorbtüren
41Durchbrochene Schachttüren25
42Durchbrochene Fahrkorbtüren25
43Unzulängliche Festigkeit der Schachttüren26
44Unzulängliche Festigkeit der FahrkorbtürenNicht abgedeckt
45Unzureichendes Glas in den Schachttüren außer Schauöffnungen27
46Unzureichendes Glas in den Fahrkorbtüren außer Schauöffnungen27
47Unzureichende Glasschauöffnungen in den Schachttüren27
48Unzureichende Glasschauöffnungen in den Fahrkorbtüren27
49Fehlende oder unzureichende nichttrennende Schutzeinrichtung (z. B. Lichtschranke) für das erneute Öffnen kraftbetätigter Fahrkorb- und Schachtschiebetüren30
410Fehlende oder unzureichende nichttrennende Schutzeinrichtung (150 N) für das erneute Öffnen kraftbetätigter Schiebetüren30
411Fehlende oder unzureichende nichttrennende Schutzeinrichtung (150 N) für kraftbetätigte Türen außer SchiebetürenNicht abgedeckt
412Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen das Einziehen von Kinderhänden bei waagerecht bewegten Fahrkorb- oder Schachttüren mit Glas28
413Fehlende oder unzulängliche Beleuchtung an den Schachtzugängen29
414Fehlende sichere Verriegelungseinrichtung an der Schachttür31
415Fehlende Spezialvorrichtung (z. B. Dreikantschlüssel) zur Notentriegelung der Schachttür32
416Fehlendes oder unzulängliches automatisches Schließen oder Verriegeln der Schachttür, nachdem diese aus irgendeinem Grund geöffnet wurde, als der Fahrkorb außerhalb der Entriegelungszone war34
417Unzulängliche Verbindung zwischen mehreren Türblättern von Schachttüren (fehlende Verbindung oder fehlende Verriegelung)35
418Unzulängliche Feuerbeständigkeit der Schachttür36
419Bewegen der Fahrkorbtür bei geöffneter (geschwenkter) Schachttür37
420Fahrkorb ohne Tür(en)40
421Fehlende Fahrkorbtürdrossel, wo die Verriegelungseinrichtung der Schachttür zugänglich ist, wenn die Fahrkorbtür außerhalb der Türzone geöffnet wirdNicht abgedeckt
5Fahrkorb, Gegengewicht und Ausgleichsgewicht
51Großer Fahrkorbbereich im Verhältnis zur Nennlast38
52Fehlende Schürze oder unzureichende Länge der Schürze am Fahrkorb39
53Unsichere Verriegelung der Notklappe auf dem Fahrkorb41
54Unzureichende Festigkeit des Fahrkorbdachs und der Notklappe42
55Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen Absturz vom Fahrkorbdach43
56Nicht ausreichende Lüftung im Fahrkorb44
57Unzulängliche Beleuchtung im Fahrkorb45
58Fehlende oder unzulängliche Notbeleuchtung im Fahrkorb46
59Fehlende Notbeleuchtung auf dem FahrkorbdachNicht abgedeckt
510Fehlende oder unzulängliche Kontrolle der Beladung73
511Fehlendes oder unzulängliches Fern-Notrufsystem71
6Aufhängungsmittel, Ausgleichsmittel, Schutz gegen freien Fall, Übergeschwindigkeit, unbeabsichtigte Bewegung des Fahrkorbs und Absinken des Fahrkorbs
61Fehlender oder unzulänglicher Schutz an Treibscheiben, Seilrollen oder Kettenrädern gegen Verletzungen47
62Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen das Herausspringen von Seilen/Ketten aus der Treibscheibe, Rollen oder Kettenrädern48
63Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern zwischen Seilen/Ketten und Treibscheiben, Seilrollen oder Kettenrädern49
64Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen freien Fall oder Abwärtsbewegungen mit überhöhter Geschwindigkeit50
54
65Fehlende oder unzulängliche Schutzmaßnahmen gegen unkontrollierte Aufwärtsbewegungen von Treibscheibenaufzügen mit Gegengewicht52
66Fehlende oder unzulängliche Schutzmaßnahmen gegen unbeabsichtigte Bewegungen des Fahrkorbs mit offenen Türen53
67Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen Absinken bei hydraulisch angetriebenen Aufzügen54
68Fehlende oder unzulängliche Schlaffseilschalter am Begrenzerseil51
69Fehlende oder unzulängliche Schlaffseil-/-ketten-Einrichtung63
7Führungsschienen, Puffer und Notendschalter
71Unzulängliche Führungen für Gegengewicht oder Ausgleichsgewicht55
72Fehlende oder unzulängliche Puffer56
73Fehlende oder unzulängliche Notendschalter57
8Triebwerk
81Unzulängliche Motorbremse (nur ein Bremssatz)Nicht abgedeckt
82Fehlendes oder unzulängliches System für den Notbetrieb60
83Fehlendes oder unzulängliches Stillsetzen des Antriebs und Überwachung seines Stillstands62
84Fehlende Motorlaufzeitüberwachung64
85Fehlendes Absperrventil (Hydraulikaufzüge)61
86Fehlende oder unzulängliche Einrichtung zur Verhinderung des Absinkens des Kolbens bei Hydraulikaufzügen65
9Elektrische Installationen und Einrichtungen
91Unzulänglicher Schutz gegen elektrischen Schlag (direktes Berühren)66
92Unzulängliche Kennzeichnung von Anschlussklemmen, die nach dem Ausschalten des Hauptschalters unter Strom bleiben66
93Fehlender oder unzulänglicher Schutz gegen Überhitzung des Triebwerksmotors67
94Fehlender abschließbarer Hauptschalter68
95Fehlende oder unzulängliche Bremseinrichtung an der Anlage im Aufstellungsort von Triebwerk und SteuerungNicht abgedeckt
10Schutz gegen elektrische Fehler, Steuerungen, Vorrechte
101Fehlender Erdfehlerschutz in Stromkreisen mit elektrischen Sicherheitseinrichtungen oder in Schaltkreisen zur Steuerung der Bremse oder des AbwärtsventilsNicht abgedeckt
102Fehlender Schutz gegen Phasenumkehr69
103Unzulängliche Ausgleichs- und/oder Haltgenauigkeit3
104Fehlende oder unzulängliche Inspektionssteuerung und/oder Bremseinrichtung auf dem Fahrkorbdach70
105Fehlende oder unzulängliche Inspektionssteuerung in der SchachtgrubeNicht abgedeckt
11Schilder, Kennzeichnungen und Anleitungen für den Betrieb
111Fehlende Hinweise, Kennzeichnungen und Bedienungsanleitungen74