Die ISO 8100-1:2026 markiert einen Meilenstein in der Aufzugsnormung mit erweiterten Sicherheits- und Digitalisierungsanforderungen. Die Umstellung erfordert von Herstellern, Planern und Betreibern umfassende Anpassungen, bietet aber auch die Chance für globale Marktchancen durch harmonisierte Standards.
1. Hintergrund und Geltungsbereich
- Die ISO 8100-1:2026 (und ihre europäische Fassung EN ISO 8100-1:2026) ersetzt die bisher geltenden Normen EN 81-20 und EN 81-50 für Aufzüge.
- Sie ist Teil einer globalen Harmonisierung der Sicherheits- und Konstruktionsanforderungen für Aufzüge und wird in der EU als harmonisierte Norm unter der Aufzugsrichtlinie (EU 2014/33/EU) gelten.
- Die Norm behandelt Sicherheitsanforderungen für die Konstruktion und den Einbau von Aufzügen (Personen- und Lastenaufzüge) und ist inhaltlich identisch mit der internationalen ISO-Fassung.
2. Veröffentlichung und Übergangsfristen
- Harmonisierung in der EU: Voraussichtlich Q3 2026 (nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt).
- Übergangsfrist: 36 Monate ab Veröffentlichung.
- Bis dahin gelten weiterhin Zertifizierungen nach EN 81-20/-50.
- Ab Veröffentlichung können bereits Zertifikate nach ISO 8100-1/-2 ausgestellt werden, insbesondere für den globalen Markt.
3. Wichtigste inhaltliche Änderungen in ISO 8100-1:2026
Die Norm wurde umfassend überarbeitet und enthält folgende zentrale Neuerungen:
A. Struktur und Formulierung
- Anpassung an ISO/IEC-Richtlinien (Teil 2): Klare Trennung von System- und gebäudespezifischen Anforderungen in Anhängen.
- Neugliederung der Anforderungen zur besseren Lesbarkeit und Anpassung an aktuelle Normungsregeln.
B. Technische und Sicherheitsanforderungen
- Neue Anforderungen für vertikal gleitende Türen (Schacht- und Kabinentüren).
- Erweiterte Vorschriften für Tragmittel (z. B. nicht-metallische Seile oder Alternativen zu Stahlseilen).
- Automatische Rettungsoperationen: Klare Regelungen für Notfallrettung aus Aufzügen.
- Erhöhte Sicherheitsanforderungen für SIL-bewertete Schaltkreise (ehemals PESSRAL).
- Arbeitsplattformen in der Grube: Neue Sicherheitsvorgaben.
- Schutz vor Hand-Einklemmen in Türen.
- Kompensationsmittel im Fluchtraum der Grube.
- Aktualisierte Bremsanforderungen und Überwachung.
- Neue Spezifikationen für Feuerwiderstandsklassen von Elektrokabeln.
- Cybersicherheit: Erstmalige Berücksichtigung von Risiken durch digitale Angriffe.
- Notbetrieb: Überarbeitete Anforderungen für Notfalloperationen.
- Umgehung von Normalfahrgrenzen während Inspektionen.
- SIL-Stufen für elektrische Sicherheitseinrichtungen (Anhang A).
- Erweiterte Fehlerliste (z. B. Kurzschluss zwischen benachbarten Leitern des Fahrkabels).
- Mechanische Festigkeit von Schachtbeleuchtungssystemen.
- Aktualisierte Anforderungen für Lastenaufzüge (z. B. Lastmessung).
- Hydraulische Bremslösung: Neue Vorschriften.
- Gebäudebezogene Anforderungen wurden in den Anhang verschoben.
- Klarstellung von Abmessungen für Schilder und Informationen.
- Überarbeitete Anforderungen für Stoppeinrichtungen und Inspektionsschalter in Grube und Kabine.
- Nicht-metallische Rillenfutter für Treibscheiben.
- Elektrische Mittel zur Geschwindigkeitsüberwachung und Auslösung von Fangvorrichtungen.
- Not-Aus-Schalter und Notstrombetrieb: Überarbeitete Steuerungsanforderungen.
C. Dokumentation und Kennzeichnung
- Anpassung der technischen Dokumentation (z. B. Entfall der Einreichung von Unterlagen, Fokus auf Anleitungen für die Nutzung).
- Klarere Vorgaben für Warn- und Hinweisschilder.
| Meilenstein | Datum | Bedeutung |
|---|---|---|
| Veröffentlichung ISO 8100-1:2026 | 1. März 2026 | Finaler Standard wird veröffentlicht. |
| Harmonisierung in der EU | Q3 2026 | Norm wird im EU-Amtsblatt veröffentlicht und ist harmonisiert. |
| Start der Übergangsfrist | 1. März 2026 | Parallelgeltung von EN 81-20/-50 und EN ISO 8100-1/-2. |
| Ende der Übergangsfrist | 1. März 2029 | Nur noch EN ISO 8100-1/-2:2026 ist für neue Zertifizierungen gültig. |