Barrierefreiheit bedeutet, dass Gegenstände, Medien und Einrichtungen so gestaltet werden, dass sie von jedem Menschen unabhängig von einer eventuell vorhandenen Behinderung uneingeschränkt benutzt werden können. Menschen, die viele oder schwere Lasten zu tragen haben oder körperlich beeinträchtigte Personen – alters-, unfall- oder krankheitsbedingt – stehen oft vor besonderen Herausforderungen, wenn es um die mühelose Bewegung in Gebäuden geht.

Für den Aufzug gilt die ÖNorm B1600 und die ÖNorm EN81-70 und umfasst folgende Bereiche:

Körperbehinderung

  • Eingeschränkte Mobilität
  • Eingeschränkte Ausdauer
  • Eingeschränkte Geschicklichkeit

Sensorische Behinderung

  • Sehbehinderung
  • Hörbehinderung
  • Sprachbehinderung

Geistige Behinderung

  • Lernschwierigkeit

Norm-Rollstuhl:

Bei der Planung geht man vom Norm-Rollstuhl mit 700x1200mm aus.
Faltrollstühle sind kleiner.

barrierefreier Aufzug mind. :

Fahrkorb KB x KT = 1100 x 1400 mm und automatische Fahrkorb,- und Schachttüren mit TB = 900 mm ausgestattet. Dieser Aufzug entspricht einem 8 Personen-Aufzug mit ca. 630 kg Tragkraft.  Für die barrierefreie Erschließung von Sportstätten empfiehlt sich eine Türbreite von 1.000 mm zu wählen, da Sportrollstühle durch die Schrägstellung der Räder eine größere Spurweite haben.

Übereck-Beladung:
Die neue EN81-70:2018 schreibt eine Kabinengröße (Typ 4) von KB x KT = 1400 x 1600 mm vor.

Achtung: Für die Planung sollte bereits mit den Maßen der EN81-70 geplant werden, da die B1600 ( KB x KT = 1500 x 1500 mm ) asap nachgezogen wird.

Aufzüge müssen stufenlos erreichbar sein (bei Gruppen min. ein Aufzug).

Aufzüge dürfen nicht durch Fahrtreppen oder Fahrsteige ersetzt werden.

Die freie Fläche vor dem Aufzug sollte min. 1,5 m betragen (2,0 m bei gegenüberliegenden Stiegenläufen).

Die Bedienelemente in den Haltestellen müssen in einer Höhe zwischen min. 900mm und max. 1100mm angeordnet sein. Im Fahrkorb ist die Lage der Bedienelemente in Wien in einer Höhe zwischen min. 900mm und max. 1100mm anzuordnen und in den anderen Bundesländern in einer Höhe zwischen min. 900mm und max. 1200mm anzuordnen. Die Bedienelemente sind mind. taktil (möglichst auch mit Braille) und einem maximalem Kontrast zum Hintergrund zu gestalten. Der Haupthalt sollte erkennbar und erhöht sein (z.B. grüner Ring).

Notruftaster mit Glockensymbol in Gelb. Befehlsgeber zum Öffnen der Tür mit Symbol. Befehlsgeber zum Schließen der Tür mit Symbol.  Etagentaster im Kabinentableau möglichst mit Ziffern (keine Buchstaben sondern -1,0,1,2,3,..), da dies die internationalen Beszeichnungen sind. Dies stellt gerade in Österreich eine Schwierigkeit dar, da hier eine andere Tradition herrscht. Beide Möglichkeiten sind zulässig.

Spiegel vis a vis der Fahrkorbtüre, damit der Rollstuhlfahrer verkehrt aus dem Aufzug fahren kann und sieht, was sich hinter ihm befindet (bei Durchlader an der Seitenwand). Auf blendfreie Beleuchtung bei den Bedienelementen ist zu achten. An einer Seitenwand muss ein Handlauf gegenüber dem Fahrkorbtableau angebracht werden. Sehbehinderte Fahrgäste benötigen hörbare Signale beim Öffnen der Türen und eine Sprachansage der Zielhaltestelle in der Kabine (wobei dies im Wohnhaus oft kontraproduktiv ist und dann deaktiviert wird, weil es die Nachruhe stört).

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Aufzugskabine mit einem Klappsessel auszustatten. Auf die Einschränkung der Kabine ist zu achten:

Auszug aus der ÖNorm B1600 :

Übereck-Beladung:
In der neuen EN81-70:2018 ist eine Kabinengröße (Typ 4) von KB x KT = 1400 x 1600 mm vorgeschreiben.

In Ausnahmefällen wird ein Aufzug mit Fahrkorb KB x KT = 1000 x 1250 mm (Typ1 nach B1600 / EN81-70 mit 800mm-Türen) akzeptiert.

Achtung: Gemäß EN81-70:2018 ist eine Kabinengröße beim Typ 1 von KB x KT = 1000 x 1300 mm vorgesehen.

Leider wird oft bei der Planung nur der Rollstuhlfahrer berücksichtigt und alle anderen Gruppen nicht. Kostensparend können sinnvolle Maßnahmen fast ohne Mehrkosten im Vorfeld durch planerische Maßnahmen ausgeschrieben werden.

Wenn Personen mit anderen Behinderungen, wie z. B. Blinde das Gebäude nutzen, so sind taktile Beschriftungen und/oder eine zusätzliche Braille-Beschriftung sinnvoll. Bei der großen Gruppe von Gehörlosen können visuelle Maßnahmen (Symbole für Wählen/Sprechen) und/oder ein Ringschleifenverstärker zum Notrufsystem helfen.

Bei Ringschleifenverstärker beim Notruf ist ein Hinweissymbol anzubringen.

induktiv.jpg

Pulttableau sind in der ÖNorm EN81-70 nicht vorgeschrieben: 


taster_en81-70

Download: Checkliste Barrierefreiheit

Download: MA37 Anforderungen an die Barrierefreiheit

Aufzugstypen gemäß EN81-70:2018:

Aufzugstyp 1 bis 450 kg

Fahrkorb BxT: 1000 x 1300 mm
lichte Türbreite: 800 mm
Nutzer: Rollstuhlbenutzer ohne Begleitperson
1 Rollstuhlbenutzer mit einem Hand-Rollstuhl nach EN 12183 oder einem elektrisch angetriebenen Rollstuhl der Klasse A nach EN 12184 ohne Begleitperson
Personen mit Gehhilfen (z. B. Gehstock) und für Personen mit sensorischen und geistigen Behinderungen
Nutzungsart: bestehende Gebäude mit Platzmangel

Aufzugstyp 2 für 630 kg

Fahrkorb BxT: 1100 x 1400 mm
lichte Türbreite: 900 mm
Nutzer: Rollstuhlbenutzer mit einer Begleitperson
1 Rollstuhlbenutzer mit einem Hand-Rollstuhl nach EN 12183 oder einem elektrisch angetriebenen Rollstuhl der Klassen A oder B nach EN 12184
Personen mit Gehhilfen (z. B. Gehstock, Krücken oder Rollgestelle)
ev. muss der Fahrkorb wegen zu geringer Wendefläche rückwärts verlassen werden
Nutzungsart: Mindestgröße für den Neubau

Aufzugstyp 3 für 1000 kg

Fahrkorb BxT: 1100 x 2100 mm
lichte Türbreite: 900 mm
Nutzer: Rollstuhlbenutzer mit mehreren Begleitperson
1 Rollstuhlbenutzer mit einem Hand-Rollstuhl, auch mit Rollstuhl-Zuggerät nach EN 12183 oder einem elektrisch angetriebenen Rollstuhl der Klassen A, B oder C nach EN 12184
Transport Krankentrage (s.a. Landesbauordnungen)
Nutzungsart: Fahrkörbe in Gebäuden, Außenanlagen
für alle Rollstuhlklassen, Kinderwagen, Fahrräder

Aufzugstyp 4 (Übereckbeladung) für 1000 kg

Fahrkorb BxT: 1600 x 1400 mm
Fahrkorb BxT: 1400 x 1600mm
lichte Türbreite: 900 mm
Nutzer: Rollstuhlbenutzer mit mehreren Begleitperson
1 Rollstuhlbenutzer mit einem Hand-Rollstuhl nach EN 12183 oder einem elektrisch angetriebenen Rollstuhl der Klassen A oder B nach EN 12184
Nutzungsart: Mindestgröße für Übereckanordnung der Türen

Aufzugstyp 5 für 1275 kg

Fahrkorb BxT: 2000 x 1400 mm
Fahrkorb B T: 1400 x 2000 mm
lichte Türbreite: 1100 mm
Nutzer: Rollstuhlbenutzer mit mehreren Begleitperson
1 Rollstuhlbenutzer mit einem Hand-Rollstuhl, auch mit Rollstuhl-Zuggerät nach EN 12183 oder einem elektrisch angetriebenen Rollstuhl der Klassen A, B oder C nach EN 12184